VwGH – Umfassendes Wertaufholungsgebot bei Beteiligungen

Für Unternehmen, welche einen Jahresabschluss nach unternehmensrechtlichen Vorschriften aufstellen, besteht für Beteiligungen im Sinne des § 228 Abs. 1 UGB eine unternehmensrechtliche Zuschreibungspflicht (Aufholung einer zuvor geltend gemachten außerplanmäßigen Abschreibung), wenn eine solche Zuschreibung steuerrechtlich zu erfolgen hat (§ 208 Abs. 1 UGB iVm § 6 Z 13 EStG – „umgekehrte Maßgeblichkeit“).

Die Pflicht zur Zuschreibung besteht insoweit, als dass die Gründe für eine in der Vergangenheit vorgenommene Abschreibung nicht mehr bestehen.

Nach bisheriger Ansicht der Finanzverwaltung (Rz. 2584 EStR) knüpft dieses Zuschreibungsgebot inhaltlich an den Wegfall der identen Gründe für die seinerzeitige (Teilwert-)Abschreibung an; eine Wertaufholung der Beteiligung aus anderen Gründen wäre jedoch nicht zu berücksichtigen.

Demgegenüber bestätigte der Verwaltungsgerichtshof jüngst (VwGH 22.4.2009, 2007/15/0074) die teils in der Lehre vertretene Auffassung, dass der Wegfall genau der ursprünglich für die Abschreibung maßgeblichen Ursachen nicht notwendige Voraussetzung für die Zuschreibungspflicht sei. Demzufolge verpflichtet eine Werterholung aus jeglichen Gründen zu einer steuerlichen Zuschreibung.

Aufgrund der „umgekehrten Maßgeblichkeit“ (siehe oben) ist diese Erkenntnis faktisch auch für die unternehmensrechtliche Bilanzierung (Zuschreibungspflicht) von Bedeutung. Die Zuschreibung hat auf den höheren beizulegenden Wert (Teilwert), begrenzt mit den historischen Anschaffungskosten, zu erfolgen. Dabei ist der für die Zuschreibung maßgebliche beizulegende Wert – wie im Fall der vorangegangenen (Teilwert-)Abschreibung – in der Regel durch eine Unternehmensbewertung auf den Jahresabschlussstichtag nach wissenschaftlich anerkannten Methoden zu belegen.