Investmentfonds: Alles (un-)klar bei Zuschreibungen?

Haben Sie in Ihrem Unternehmen Anteile an Investmentfonds im Bestand, für welche Sie einen außerbücherlichen Merkposten mitführen? In diesem Fall empfehlen wir Ihnen noch rechtzeitig vor dem herannahenden Jahresabschluss 2016 mögliche Auswirkungen durch das RÄG 2014 auf Ihr Unternehmen zu prüfen.

Wenn in der Vergangenheit Investmentfondsveranlagungen teilwertberichtigt wurden, kann vor allem die Abschaffung des bisherigen Wertbeibehaltungsrechts in § 208 Abs. 2 UGB ab dem Wirtschaftsjahr 2016 zu betragsmäßig materiellen Auswirkungen führen. Vielleicht haben auch Sie – wie viele andere Unternehmen – in der Vergangenheit aufgrund des bisherigen Wertbeibehaltungsrechts auf Zuschreibungen verzichtet. Diese sind im Wirtschaftsjahr 2016 – sofern sich der Wert erholt hat – zwingend nachzuholen. Aufgrund der Maßgeblichkeit wirken sich die Zuschreibungen auch steuerlich aus. Im Wirtschaftsjahr 2016 kann es daher auch zu hohen steuerlichen Zuschreibungsbeträgen kommen.

Im Hinblick auf die Zuschreibungen im Wirtschaftsjahr 2016 ist zu unterscheiden:

  • Zuschreibungen aufgrund von im Wirtschaftsjahr 2016 eingetretenen Wertsteigerungen sind unternehmensrechtlich gewinnwirksam zu erfassen und auch sofort steuerwirksam („neue“ Zuschreibungen).
  • Für Zuschreibungen aufgrund von Wertsteigerungen aus vergangenen Wirtschaftsjahren („nachzuholende“ Zuschreibungen) gibt es in den Übergangsbestimmungen zwei Wahlmöglichkeiten (siehe gleich). Ziel beider Übergangsbestimmungen ist es, die steuerlichen und GuV-wirksamen Effekte dieser nachzuholenden Zuschreibungen vorläufig zu neutralisieren.

1) Steuerliche Zuschreibungsrücklage

Den steuererhöhenden Effekt aus einer nachzuholenden Zuschreibung können Sie durch die Bildung einer steuerlichen Zuschreibungsrücklage vorläufig unterdrücken (Steuerstundungseffekt).

2) Unternehmensrechtlicher passiver Rechnungsabgrenzungsposten

Bilden Sie eine steuerliche Zuschreibungsrücklage so können wahlweise auch unternehmensrechtlich nachzuholende Zuschreibungen durch die Bildung eines passiven Rechnungsabgrenzungspostens vorläufig gewinnneutral gehalten werden. Die unternehmensrechtliche Übergangsbestimmung ist aber eingeschränkt: Die Höhe des passiven Rechnungsabgrenzungspostens ist mit dem steuerlichen Zuschreibungsbetrag begrenzt. Ob die unternehmensrechtlichen Effekte auch zur Gänze neutralisiert werden können, hängt daher von den konkreten unternehmensrechtlichen und steuerlichen Zuschreibungsbeträgen im Einzelfall ab. Diese können unter anderem und insbesondere bei Investmentfondsveranlagungen aufgrund der unterschiedlichen unternehmensrechtlichen und steuerlichen Buchwerte abweichen.

In der Literatur finden sich unterschiedliche Auffassungen zur Maßgeblichkeit der unternehmensrechtlichen Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung. Je nach Interpretation könnten für steuerliche Zwecke unterschiedliche steuerliche Zuschreibungsbeträge bei Wertaufholungen von Investmentfonds angesetzt werden. Dies kann gerade bei Investmentfonds in Einzelfällen zu gravierenden Unterschieden sowohl bei der Ansatzmöglichkeit einer steuerlichen Zuschreibungsrücklage als auch der Bildung eines unternehmensrechtlichen passiven Rechnungsabgrenzungspostens führen.

Im Hinblick auf den kommenden Jahresabschluss 2016 empfehlen wir daher eine Durchsicht Ihrer Investmentfondsveranlagungen – am besten gemeinsam mit Ihrem PwC-Experten.

  • Berücksichtigen Sie die realisierten Erträge Ihrer Investmentfonds entsprechend dem Transparenzprinzip auf jährlicher Basis?
  • Haben Sie Investmentfonds, welche Ihre steuerpflichtigen Erträge nicht (zur Gänze) ausschütten?
  • Erfassen Sie ausschüttungsgleiche Erträge für diese Fonds?
  • Führen Sie diese ausschüttungsgleichen Erträge als außersteuerlichen Merkposten mit oder bilanzieren Sie diese?
  • Gab es in der Vergangenheit Teilwertabschreibungen bei Investmentfonds? Falls ja, hat sich der Wert in der Zwischenzeit wieder erholt?
  • Haben Sie in der Vergangenheit vom Wertbeibehaltungsrecht gem. § 208 Abs. 2 UGB (vor RÄG 2014) Gebrauch gemacht?
  • Möchten Sie von den steuerlichen bzw. unternehmensrechtlichen Übergangsbestimmungen (Zuschreibungsrücklage bzw. passiver Rechnungsabgrenzungsposten) für nachzuholende Zuschreibungen im Wirtschaftsjahr 2016 Gebrauch machen?

Unser Steuer-Experten-Team bei PwC unterstützt Sie gerne bei der Durchsicht Ihrer Fondsveranlagungen und findet mit Ihnen gemeinsam den für Sie bestmöglichen Ansatz für Ihr Unternehmen.

Falls Sie noch Fragen haben, können Sie uns gerne anrufen. Detailliertere Informationen finden Sie in unserem ausführlicheren Newsletter, den wir Ihnen gerne auf Anfrage zusenden.