Versagung der Teilwertabschreibung auf unverzinste Gesellschafterdarlehen

Der deutsche Bundesfinanzhof (BFH) bestätigte in einem Urteil die Ansicht der deutschen Finanzverwaltung: Eine steuerliche Teilwertabschreibung aufgrund der Unverzinslichkeit eines Gesellschafterdarlehens ist nicht zulässig. Die österreichische Finanzverwaltung teilt die Ansicht des BFH, begründet dies jedoch auf andere Weise.

BFH: Keine voraussichtlich dauerhafte Wertminderung

Der deutsche BFH war mit der Frage konfrontiert, ob eine Teilwertabschreibung aufgrund der Unverzinslichkeit einer Forderung steuerlich zulässig ist. Die Klägerin, eine GmbH, gewährte einer Tochtergesellschaft ein unverzinstes Darlehen. Diese Forderung wurde im Jahr der Darlehensgewährung für den handelsrechtlichen Jahresabschluss abgezinst und entsprechend wertberichtigt. Das Finanzamt erkannte diese Wertberichtigung nicht an.

In seiner Entscheidung bestätigt der BFH die Ansicht der Finanzverwaltung mit der Begründung, dass keine dauerhafte Wertminderung gegeben ist. Dieses Argument stützt sich auf ein früheres Urteil zu Wertminderungen bei festverzinslichen Wertpapieren aufgrund von Kursschwankungen. Der Wertpapierinhaber hatte im gegenständlichen Fall das Recht, am Ende der Laufzeit den Nominalwert der Forderung zu erhalten. Der Anspruch zur vollen Rückzahlung bestand unabhängig vom Kurs des Wertpapieres. In Folge dessen lag laut Ansicht des BFH im gegenständlichen Fall keine voraussichtlich dauerhafte Wertminderung vor. Dieser Gedanke wird nun auf unverzinsliche Gesellschafterdarlehen übernommen, da bei diesen ebenso im Zeitpunkt der Fälligkeit der Nominalbetrag der Forderung zu leisten ist.

Nutzungseinlage in Österreich

Auch die österreichische Finanzverwaltung ist der Ansicht, dass eine unternehmensrechtliche Wertberichtigung aufgrund der Unverzinslichkeit eines Gesellschafterdarlehens für steuerrechtliche Zwecke unbeachtlich ist (Salzburger Steuerdialog 2009, KStR Rz 679a). Die österreichische Finanzverwaltung erkennt die Wertberichtigung jedoch aus einem anderen Grund nicht an:

Da die Unverzinslichkeit eines Darlehens grundsätzlich fremdunüblich ist, stellt der Zinsvorteil daraus eine Nutzungseinlage dar. Wird unternehmensrechtlich eine Abschreibung der Forderung aufgrund ihrer Unverzinslichkeit durchgeführt, kommt es steuerlich zu einer Aufteilung des Forderungsbetrages. Der infolge der Abzinsung wertberichtigte Teil des Darlehens wird als Einlage qualifiziert. Die unternehmensrechtliche Wertberichtigung ist für steuerliche Zwecke zu neutralisieren. Daraus ergeben sich ebenso Folgen für die Rückzahlung des Darlehens: In Höhe der abzinsungsbedingten Wertberichtigung stellt die Rückzahlung steuerlich eine Einlagenrückzahlung dar.

Fazit

Im Ergebnis unterscheidet sich die deutsche nicht von der österreichischen Herangehensweise. Beide Finanzverwaltungen versagen die Teilwertabschreibung aufgrund der Unverzinslichkeit eines Gesellschafterdarlehens beim Gesellschafter. Sofern die Wertminderung auf der Unverzinslichkeit der Forderung beruht, ist der Aufwand steuerlich nicht anerkannt.

Die deutsche Rechtsprechung argumentiert dabei, dass keine voraussichtlich dauerhafte Wertminderung vorliegt, da der Rückzahlungsanspruch des Gesellschafters unverändert bleibt. Nach österreichischer Ansicht ist bereits die Unverzinslichkeit des Darlehens fremdunüblich. Wird daher in Höhe der üblichen Verzinsung eine Abwertung der Darlehensforderung durchgeführt, stellt dieser Aufwand eine Einlage dar und ist steuerlich zu neutralisieren.

Autor: Michael Weghofer